Urlaubsauftakt

Berlin – Alkmaar
Bahn + 58,9 km Radfahren

Diesmal begannen wir unsere Tour etwas ungewöhnlich. Um unserem großen Ziel, einmal den kompletten Nordseeradradweg Eurovelo 12 zu fahren, etwas näher zu kommen, haben wir für unsere diesjährige Tour den Einstieg Amsterdam/Ijmuiden gewählt. Nachdem diese Entscheidung gefallen und der Zeitpunkt gewählt war, hieß es schnell Zug und Fahrradkarten buchen. Gesagt getan. Es klappte super. Endlich kann man nämlich auch die Fahrradkarten für den Fernverkehr online buchen und muss nicht mehr zum Schalter. Und außerdem fährt der neue ICE4 mit Fahrradabteil nach Amsterdam. So eine Freude! Doch die währte nur kurz. Denn ein (dummerweise nachträglicher) Blick in den Kalender zeigte uns, dass am Abend vor unserer Abfahrt unser für diese Saison letztes Abo-Konzert im Konzerthaus stattfand. Natürlich hätten wir mit Sicherheit jemanden gefunden, der die Karten gerne genommen hätte. Es spielte die Academy of St Martin in the Fields mit Lucas und Artur Jussen Werke von Bach und Mozart. Für uns ein Highlight des ganzen Abos.

Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Außerdem war es buchstäblich ein guter Auftakt für den Urlaub! Da, wie so oft, auch die S-Bahn von Potsdam nach Berlin wieder enmal wegen Bauarbeiten nicht durchfuhr, buchten wir uns kurzerhand ein Zimmer im Intercity Hotel im Ostbahnhof. So konnten wir entspannt anreisen und mussten uns nicht die halbe Nacht um die Ohren schlagen, denn die Abfahrt unseres Zuges war sechs Uhr!

So begannen wir unseren Urlaub mit einem Spaziergang durch das Nikolaiviertel, einem leckeren Abendessen beim Augustiner und einem wunderbaren Konzert.

Die Nacht war natürlich trotzdem zu kurz, aber für den Urlaub steht man ja gerne etwas früher auf. 20 Minuten vor Abfahrt des Zuges kamen wir mit unseren bepackten Rädern auf dem Bahnsteig an. Wir mussten ja nur kurz um die Ecke rollern. Der Zug stand schon bereit, also konnten wir entspannt einsteigen und Räder und unsere jeweils vier Fahrradtaschen gut verstauen. Für das Frühstück hatten wir uns gestern aus den Resten im Kühlschrank noch Brötchen geschmiert, dazu gab’s einen Kaffee aus dem Bordrestaurant. Der Urlaub kann beginnen. Kurz nach 12 (fast pünktlich) erreichten wir Amsterdam. Um den Bahnhof zu verlassen, brauchten wir noch etwas Zeit. Dann es gibt Sperren, an denen man seine Fahrkarte scannen muss. Mit unserem Gepäck ging das nur an der für Rollstuhl und Kinderwagen. Danach war noch eine kleine Treppe zu überwinden, also nochmal kurz am Lift anstellen. So gegen 13 Uhr waren wir dann endlich startklar. Nun gingen es durch den Amsterdamer Radverkehr. Man muss sich zwar nicht vor Autos fürchten, denn die Fahrradinfrastruktur ist hervorragend, aber als ortsunkundige Radfahrer mit Gepäck, die sich noch orientieren müssen und auch ein bisschen in der Gegend herumschauen, ist man auf jeden Fall ein Verkehrshindernis für die anderen, eiligen Radfahrer.

Bis zu unserem Einstieg in den Nordseeradweg in der Nähe von Ijmuiden waren wir die Strecke mit ein paar kleinen Abweichungen ja schon vor zwei Jahren gefahren, als wir von Ijmuiden die Fähre nach Newcastle genommen hatten.
Diesmal war es nur eine kurze Fährfahrt über den Nordzeekanal, die übrigens kostenlos war.

Durch Velsen Nord ging es nun auf dem Nordseeradweg nach Wijk an See. Vom Stahlwerk und den anderen Industrieanlagen sah man außer ein paar hohen Schornsteinen und Werkbahnen kaum etwas.

Eigentlich hätten wir in Wijk aan Zee gerne einen Blick auf die Nordsee geworfen, doch der Ort liegt hinter hohen Dünen, da hätten wir die Räder anschließen und ein ganzes Stück gehen müssen. Aber zumindest fanden wir ein uriges kleines Café für eine Verschnaufpause. Auf den Tischen waren verschiedene Spielfelder dargestellt (Scrabble, Mensch-ärgere-dich-nicht oder auch Spielkarten), an der Wand hingen selbst gebastelte Uhren aller Art, an der anderen Seite Minipuppenstuben. Außerdem wurde Selbstgemachtes (von Marmelade bis gehäkelte Täschchen) angeboten. Kaffee und Kuchen schmeckten gut, und wir waren gestärkt für die weitere Strecke, denn uns standen noch 26 km bis Alkmaar bevor.

Nun ging es bis Egmond aan den Hoef auf einem gepflasterten Radweg durch Noordhollands Duinreservaat. Die Nordsee sahen wir zwar nur einmal, als wir unsere Räder an einem der Stradzugänge abstellen und an den Strand gingen, aber die Landschaft war sehr reizvoll. Die Luft war von Blütenduft und Meer erfüllt. An zahreichen kleinen Gewässern tummelten sich unzählige Wasservögel.

So langsam wurde es aber Zeit, dass wir unser Hotel in Alkmaar erreichten. Bei Egmond aan den Hoef kamen wir noch an einem Weiher mit den Überresten des Schlosses Egmond, dessen Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen und einer Statue eines Grafen von Egmond vorbei. An zwei Seiten standen Tribünen. Da gibt es im Sommer bestimmt tolle Konzerte oder Theateraufführungen. Übrigens lebte der französische Philosoph Henri Descartes 1643-44 und möglicherweise darüber hinaus neben dem Schloss.

Auf dem Weg nach Alkmaar kamen wir noch an einem „Bunkerdorf“ aus dem Zweiten Weltkrieg vorbei, das zur deutschen Verteidigung des Flugplatzes Bergen gehörte.

Nun kam endlich Alkmaar. Der lange Tag lag uns schon etwas in den Knochen. Wir stellen die Räder ab, bezogen unser Hotelzimmer, machten uns stadtfein und wollten eigentlich gemütlich durch die Altstadt bummeln und etwas Essen gehen. Doch das erwies sich als unmöglich, denn es fand der Alkmaar City Run by Night statt. Überall war abgesperrt und als wir ankamen, starteten gerade die Jüngsten ihren Lauf, angefeuert von Eltern, Freunden etc. Doch die Restaurants waren geöffnet und nach einer kurzen Wartezeit an der Bar bekamen wir einen Platz im Eetcafé Pluim. Es war eine Menge los, die obere Etage war offensichtlich Teilnehmern am Lauf zum Umziehen bereitgestellt worden. Nach dem Lauf traf man sich offensichtlich zum Essen und auf ein Bierchen oder einen Wein. So hielt an der Strecke auch jemand ein Schild mit der Aufschrift „Lisanne run now wine later“.

Das Essen war hervorragend und auch das Bier (mit und ohne Alkohol) schmeckte lecker. Inzwischen liefen die Älteren und es wurde immer schwieriger die Laufstrecke zu kreuzen. Wir gingen gemütlichen Schritts zum Hotel zurück.