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Rousay Hostel – Stromness
50,2 km
Da die erste Fähre erst 10.10 Uhr
fuhr, hatten wir genügend Zeit für ein gemütliches Frühstück. Es
regnete wieder einmal, da wollten wir die schöne warme und trockene
Bleibe nicht so schnell verlassen. Die Camperin, eine amerikanische
Fotografin, wie sich herausstellte, kam herein, um endlich mal warm
und trocken zu sein. Wir kamen ins Schwatzen und plötzlich war die
Zeit vorbei und wir mussten zur Fähre. Der Regen hatte zum Glück
inzwischen aufgehört und zu unserer großen Überraschung und Freude
lichtete sich die Wolkendecke immer mehr und schließlich lugte sogar
ab und an die Sonne hervor. Da konnten wir nun endlich mal von den
Windjacken in die normalen Fahrradjacken wechseln. Bei dem Wetter
fuhr es sich gleich viel leichter. Wir genossen die Ausblicke auf das
Meer und sahen die Insel Rousay noch einmal aus anderer Perspektive.
Wir fuhren durch kleine Dörfchen, vorbei an einigen Seen und wurden
dabei oft von den Kühen neugierig beäugt. Wir erfreuten uns an den
vielen bunten Wildblumen am Straßenrand. Die Straße war auch hier
wieder ziemlich hügelig, doch bis auf einen waren die Anstiege sehr
moderat. Wir kamen nun so langsam in eine touristisch interessante
Gegend. Da nahm auch der Verkehr etwas zu. Den Ort Birsay mit dem
beeindruckenden Brough Head, einer felsigen Insel, die man bei Ebbe
zu Fuß erreichen kann, und der Ruine des Earl’s Palace (aus dem 16.
Jahrhundert) ließen wir rechts liegen und auch das Kitchener
Memorial, das an den britischen Kriegsminister Lord Kitchener
erinnert, der hier bei einer Reise zu Gesprächen mit dem russischen
Zaren 1916 auf der HMS Hampshire durch deutsche Minen den Tod fand,
erinnerte, sahen wir uns nur aus der Ferne an. Unser erstes Reiseziel
war Skara Brae, ein sehr gut erhaltenes Steinzeitdorf, das nach einer
Sturmflut 1850 von William Watt zufällig entdeckt wurde. Heute ist
es eine touristische Attraktion mit einem Museum, indem man
anschaulich über die Entdeckung und die Ausgrabungen sowie das Leben
im Dorf, wie es sich vermutlich gestaltete, informiert wird. Das
eigentliche Dorf ist nur von oben zu besichtigen, um die fragile
Konstruktion, die ohnehin schon den Naturgewalten ausgesetzt ist,
nicht noch mehr zu beschädigen. Für den räumlichen Eindruck wurde
eine etwas kleinere Kopie gebaut, die man betreten kann. Wir waren
offensichtlich durch unsere gestrigen Erlebnisse bereits sehr
verwöhnt, so dass sich unsere Begeisterung etwas in Grenzen hielt.
Inzwischen war es auch kälter geworden und in der Ferne brauten sich
dunkle Wolken zusammen. Da nahmen wir erstmal eine Stärkung im Café
zu uns (Soup of the day und Carrot Cake bzw. Schokoladenbrownie).
Neben Skara Brae befindet sich das Skaill House, das Haus des
Entdeckers von Skara Brae, des siebten Lairds von Breckness. Es wurde
1997 renoviert und zeigt nun ein Sammelsurium an Objekten. Die
Einrichtung reicht von Möbeln und Gegenständen aus dem 18.
Jahrhundert bis hin zu Kleidern der letzten Bewohnerin, die 1991
verstarb. Für uns natürlich interessant: etliche Exponate mit Bezug
zu Russland aus der Zeit als ein Laird als Colonel ein Regiment der
„Weißen“ gegen die Bolschewiki führte.
Wir schwangen uns nun wieder auf unsere
Räder. Nach ein paar Kilometern erreichten wir den Ring of Brodgar,
ein Weltkulturerbe, das oft in einem Atemzug mit Stonehenge genannt
wird und von der eigentlichen Ausdehnung viel größer war.
Ursprünglich bestand der Ring aus 60 Monolithen, von denen heute
noch 27 stehen. Sehr beeindruckend. Über den ursprünglichen Zweck
des Rings sind sich die Wissenschaftler nicht so richtig im klaren.
Leider wurde unser Kulturgenuß durch den einsetzenden starken Regen
etwas getrübt. Wir fuhren weiter zu den Stehenden Steinen von
Stennes, die sich auf einer schmalen Landzunge zwischen zwei Lochs
befinden. Es regnete jedoch inzwischen so stark, dass wir nur kurz
für ein Foto hielten und nun schnell zu unserem Guesthouse nach
Stromness fuhren. Wir wurden von der Wirtin, die aus Österreich
stammt abr schnon über 20 Jahre in Schottland lebt, freundlich
begrüßt und zu unserem Zimmer gebracht. Nachdem wir die nassen
Klamotten aufgehängt und uns schön heiß geduscht hatten, begaben
wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Wir landeten im Ferry Inn.
Das Essen war sehr gut. Neben den traditionellen Gerichten wie Fish
and Chips, Steak etc. gab es auch etwas exotischere Gerichte, wie zum
Beispiel Seeteufel mit Garnelen Curry, das hervorragend schmeckte.
Ein Dessert hatten wir uns natürlich auch verdient (z.B. Panna Cotta
mit Himbeeren und Whiskygelee).
Als wir das Restaurant verließen,
schien plötzlich wieder die Sonne und tauchte die ganze Umgebung in
ein zauberhaftes Licht. Wir nutzten die Gelegenheit für einen
Spaziergang durch den Ort mit seinen engen Gassen und schönen alten
Häusern.