De Koog Harlingen
(67 km Radfahren, 4 km Fähre, 28 km Fietsbus)
Den Sonnenschein von gestern Nachmittag hatte Petrus über Nacht in Regen und Wind umgewandelt. Als wir nach einem guten und reichlichen Frühstück auf unserer neu geplanten Route in Richtung Den Burg starteten waren lugten zwar noch ein paar vereinzelte, aber eigentlich chancenlose Sonnenstrahlen zwischen den Wolken hervor. Der Wind wehte kräftig, ab und an etwas zu unseren Gunsten, doch meist währte die Freude darüber nur kurz und er blies uns wieder ins Gesicht.
Doch wir kamen ganz gut voran und erreichten bald den Hauptort der Insel Den Burg. Bereits seit dem 14. Jahrhundert ist er das Zentrum der Inseln. Hier befinden sich die Behörden, Schule und das einzige Kino der Insel. Mit seinen kopfsteingepflasterten Gassen und zahlreichen alten Häusern, darunter viele Cafés und Restaurants lädt er zum Bummeln und Verweilen ein. Als wir durchfuhren,war allerdings noch alles ruhig.
Für uns ging es nun weiter durch das Naturgebiet De Hooge zum Deich. Die Freude über den schönen Blick aufs Wattenmeer hielt nicht lange an, denn zum Wind, der uns ordentlich ins Gesicht blies, kam nun auch noch ein eisiger Regen. So erreichten wir ziemlich nass und kalt die Fähre zurück nach Den Helder. Zum Glück fährt sie in der Saison halbstündig, so dass wir nicht lange warten mussten und uns bei einem heißen Tee im Salon wärmen konnten.
Von Den Helder aus ging es durch das Hafengelände vorbei an der Königlichen Marineakademie zunächst auf einem separaten Radweg an der Straße entlang, dann auf Nebenstraßen durch kleine Dörfer, vorbei an unzähligen meist abgeernteten Blumenfeldern. Doch ab und zu sahen wir noch späte Tulpen und Narzissen und ein großes Beet mit herrlich blühenden Pfingstrosen.
Wir fuhren über den Deich zwischen Watten- und Amstelmeer. Auf dem Amstelmeer waren einige Surfer und Kitesurfer unterwegs. Hinter dem Amstelmeer überlegten wir kurz, ob wir den direkten Radweg an der Küste entlang nach Den Oever nehmen oder doch dem etwas längeren Nordseeradweg folgen sollten. Wir entschieden uns für letzteren. Eine gute Entscheidung, denn wir kamen an einem kleinen unscheinbaren Strandcafé Beach&Bites vorbei, wo es sehr leckere Tacos gab. Zusammen mit einem alkoholfreien Bier und einem Espresso eine gute Stärkung.
Der Wind meinte es nun endlich auch einmal gut mit uns und so hätten wir fast noch den 15.30er Fietsbus über den Abschlussdeich (Afsluidijk) ab Den Oever geschafft, wenn die Haltestelle etwas ausgeschildert gewesen wäre. Wir hatten die Haltestelle zwar auf unserer Route markiert, aber komoot wollte uns partout nicht über den Deich fahren lassen, da der Radweg noch wegen Bauarbeiten an den Schleusen gesperrt ist und daher der kostenlose Fahrradbus fährt. Nach einem Hinweisschild auf den Bus (volg [Fahrradpictogramm]) taten wir dies auch uns landeten mitten in der Pampa am nächsten Knotenpunkt. Hier fuhr definitiv kein Bus mehr. Also wieder ein Stück zurück und siehe da, hier war die Haltestelle ausgeschildert. Der Bus war aber nun weg, also eine knappe Stunde warten. Der nächste Bus kam auch rechtzeitig, wir waren die einzigen Passagiere. Nun ging es auf der Autobahn ca. 28 km über den Abschlussdeich bis Kornwerderzand. Das Ijsselmeer auf der Innenseite schimmerte grün, die Wolken waren fast schwarz. Uns so stiegen wir im strömenden Regen (ausnahmsweise mal ohne Wind) aus dem Bus. Wir zogen uns erstmal in einer Unterführung die Regenhosen an. Für das Wadden Centrum und was es sonst noch zu sehen gab, hatten wir bei dem Regen keinen Sinn und so fuhren wir über die Autobahn auf den Radweg an der Wattenmeerseite über den restlichen Abschlussdeich nach Zurich. Nun hörte der Regen auf und wir konnten entspannt unter Aufsicht hunderter Schafe auf dem Deich weiter nach Harlingen fahren. Die Stadt war eine Überraschung. Die alte Hafenstadt ist das Tor zu den Nordseeinseln Vieland und Terschelling. Sie ist Zentrum der Krabbenfischerei und hat einen der modernsten Häfen des Landes. Vor allem aber hat sie zahlreiche historische Gebäude, es gibt unzählige Gassen und Grachten. Und die durch die Wolken lukende Sonne ließ die Stadt in besonderem Licht erscheinen. Einen sehr versöhnlichen Abschluss des Tages bildete ein sehr leckeres Abendessen im Restaurant Nooitgedacht, das in einem ehemaligen Weinlagerhaus aus dem 17. Jahrhundert untergebracht ist. Einfach toll, nettes Personal, tolle Atmosphäre.