Alkmaar – De Koog
(73 km inkl. 4 km Fährüberfahrt)
Bevor wir uns heute von Alkmaar verabschiedeten, nutzten wir die Gelegenheit, um unser gestern im Käsemuseum erworbenes theoretisches Käsewissen in der Praxis anzusehen. Denn Freitags findet der traditionelle Käsemarkt statt. Zwar hat er seine wirtschaftliche Bedeutung inzwischen eingebüßt, aber ein interessantes Schauspiel wird dennoch geboten. Als wir kurz vor zehn am Kaasmarket ankamen (unsere Räder hatten wir mitsamt der Taschen in einer Nebenstraße angeschlossen) waren natürlich die besten Plätze schon weg, aber von einer hinteren Ecke des abgesperrten Platzes aus konnten wir doch etwas sehen. Zunächst gab es erstmal Werbung. In traditioneller holländischer Kleidung (wie man sie von Frau Antje aus der Werbung kennt) boten Frauen kleine Kühltaschen der Käsereien als Souvenir an. Für 15 Euro erhielt man nicht nur eine kleine Kühltasche, sondern auch zwei Stück Käse, die typischen holländischen Stroopwaffeln und einen Kühlschrankmagnet. Bisher sind die Temperaturen zwar nicht so, dass man seine Verpflegung fürs Picknick in eine Kühltasche packen muss, aber wer weiß, vielleicht wird’s ja noch. Punkt zehn Uhr wurde der Käsemarkt mit Glockenschlag vom Turm offiziell eröffnet. Auf dem Markt lagen lange Reihen von Käselaiben. Zunächst wird die Qualität geprüft. Dazu klopft der Fachmann eine Laib ab und bohrt ein kleines Loch hinein, um so eine Probe zu entnehmen und dadurch Fett- und Feuchtigkeitsgehalt sowie den Geschmack zu prüfen. Nun werden die Laibe von Käseträgern auf die Käsetragen gewuchtet und zur Waage gebracht. Nach dem Wiegen kommen die Laibe auf traditionelle Handkarren, mit denen sie zu den LKWs der Käsereien gebracht werden. Ein tolles Schauspiel. An der Seite des Marktes gab es Stände, an denen auch Besucher ihren Käse kaufen konnten. Wir sahen uns das Schauspiel eine Weile an, machten die obligatorischen Fotos und gingen dann zu unseren Rädern. Schließlich hatten wir noch viel vor. Als wir aus Alkmaar in Richtung Bergen Binnen fuhren, merkten wir schon, dass es heute anstrengend werden könnte, denn der Wind blies aus Nordwesten.
Fast an der Strecke lag das Museum Kranenburgh, dessen Skulpturengarten sehenswert ist. Das Museum war gerade wegen Ausstellungsumbau geschlossen, doch der Garten war zugänglich. Wir wurden nicht enttäuscht, es gab einige interessante Skulpturen und sogar einen Hochseilweg (den wir aber sicherheitshalber nicht betraten, denn durch den Regen war alles sehr glatt). Außerdem blühten gerade die Rhododendren; überhaupt war der Garten sehr schön angelegt.
Von da aus ging es nun über Schnoor wieder durch die Dünen auf den Nordseeradweg. Die Strecke war super ausgebaut. Der Fahrradweg hatte auch hier einen Mittelstreifen. Es waren auch einige Radler (fast alle mit E-Bikes) unterwegs. Die meisten kamen uns entgegen. Kaum jemand kämpfte sich wie wir durch den teilweise ziemlich starken Gegenwind. Auch wenn es nicht so rund lief, wie wir das erhofft hatten, konnten wir die abwechselungsreiche Dünenlandschaft genießen. Auf halber Strecke nach Den Helder legten wir an einer Bank mit Dünenblick ein Picknick ein. Die kurze Pause wurde dann durch einen eisigen Regenschauer abrupt beendet. Wir zogen uns sicherheitshalber gleich die Regenhosen an. Ein Stück der Strecke verlief auf dem Deich mit Blick auf die dunkelgrau schäumende Nordsee. Der Tag heute kostete ziemlich Kraft und so legten wir nach einer weiteren Stunde Fahrt in Callantsoog nocheine Pannekoeken-Pause ein.
Frisch gestärkt ging es weiter. Auf den hier noch vorhandenen Tulpenfeldern blühten nur noch einzelne Exemplare. Dafür blühten die Strandrosen in rot und weiß. Überhaupt blühte und durftete es überall.
Wir radelten am Meeresaquarium, das in der Festung Fort Kijkduin untergebracht ist und am Leuchtturm vorbei direkt am Meer um den Ort Den Helder herum. Auf den letzten Kilometern bis zur Fähre hatten wir sogar etwas Windunterstützung. Wir sahen gerade eine Fähre aus der Bucht herausfahren, so hatten wir genügend Zeit bis zur nächsten in einer Stunde.
Die Überfahrt nach Texel dauerte ca. 25 Minuten und war sehr entspannt. Es gab sogar ein extra Deck für Fahrräder.
Auf Texel war das Wetter nicht besser, aber nun hatten wir ein Ziel vor Augen, noch 15 km bis zum Hotel in De Koog. Anfänglich ging es über offene Landschaft, das war anstrengend, doch als wir in den Dünenwald kamen, konnten wir die Strecke nochmal genießen. Wir sahen einige Fasane, Gänse mit ihren Jungen und sogar ein Austernfischer rannte kurz vor uns über den Radweg. Und doch waren wir froh, als wir endlich unser Hotel erreichten, denn kaum, dass wir im Zimmer waren, gab es nochmal ordentliche Schauer sogar mit Hagel – Glück gehabt. Da das Hotel auch ein Restaurant hatte, brauchten wir auch nicht mehr raus. Alles in allem, ein sehr schöner, aber auch sehr anstrengender Tag!