Holwerd – Pieterburen
(75,68 km)
Nach einem leckeren Frühstück fuhren wir erstmal landeinwärts und das bedeutete gegen den Wind, der uns von Süden kräftig entgegenblies. Ein Stück führte der Nordseeradweg ohnehin weg von der Küste, doch wir fuhren noch weiter, denn im Reiseführer hatten wir gelesen, dass Dokkum unbedingt einen Besuch wert sei. Die nördlichste Stadt der Niederlande mit zahlreichen Grachten und zwei Mühlen (aus den Jahren 1849 und 1862) ist wirklich sehenswert. Nachdem wir über eine Brücke in die Altstadt kamen, ließen wir uns treiben, die Räder meist schiebend. Zahlreiche Gassen mit hübschen kleinen Läden und Cafés laden zum Flanieren ein. Noch war es sehr ruhig, aber das würde sich sicher bald ändern.
Dem berühmtesten Sohn der Stadt, dem Benediktinermönch und Missionar Bonifatius, der 754 in Dokkum ermordet wurde, ist die Sint Bonifatiuskerk gewidmet. Sie ist eines der wenigen erhaltenen Gebäude von P.J.H. Cuypers, der übrigens auch das Rijksmuseum in Amsterdam entworfen hat. Da gerade ein Gottesdienst beginnen sollte, konnten wir nur kurz in die Kirche hineinsehen.
Es gab natürlich noch viel mehr zu sehen und zu entdecken und auch ein Museumsbesuch oder eine Grachtenrundfahrt hätten sicher gelohnt. Für mich gab es noch ein anderes interessantes Kunstwerk. Es befand sich auch auf dem Markt: ein Eisbrunnen. Wir sahen dieses rauchende braune Metallgebildete und erfuhren, dass durch Kühlleitungen im Innern auf dem Metall Eisschichten gebildet werden. Die Sonnenenergie, aber auch schattenspende Bäume sorgen dafür, dass das Eis nie gleich aussieht. Es ist ein Symbol für die (verlorene) Verbindung von Mensch und Natur.
Nun verließen wir die Stadt wieder in Richtung Deich, und diesmal fuhr es sich bestens: leichter Wind im Rücken, Sonnenschein, was will man mehr.
Unser Weg führte durch Wierum, einen der ältesten Orte an der Küste nach Moddengat. Ein Denkmal auf dem Deich hier erinnert an die Sturmkatastrophe von 1883 bei der zwei Drittel der Moddegatter Fischer ihr Leben ließen. Im Museum t’Fiskerhuse wird dieses tragische Ereignis in einem kurzen Film thematisiert. In mehreren ehemaligen Fischerkaten wird vom harten Alltag der Küstenfischer vor über hundert Jahren erzählt, es werden Alltagsgegenstände aus vergangenen Zeiten, aber auch Fischernetze, Bootsmodelle und traditionelle Kleidung gezeigt. Ein kleines, aber sehr interessantes Museum.
Nach dem Besuch holten wir uns im Museumsshop noch einen Kaffee für unser Mittagspicknick. Zu den frischen Brötchen von unserem Frühstück (unser Gastgeber hatte uns ausdrücklich angeboten, etwas für unterwegs mitzunehmen), gab es Käse aus unserer Käsetasche von Frau Antje (Käsemarkt Alkmaar), Erdbeeren und zum Nachtisch ein Stück Schokolade.
Die Energie brauchten wir auch, denn wir hatten noch einen weiten Weg vor uns und der Wind war nicht immer unser Freund. Wir fuhren über den Deich am Lauwersmeer an den beeindruckenden Lauwerssluizen vorbei. Dann ging es durch Lauwersoog und den gleichnamigen Nationalpark. Unsere Strecke verlief nun eine ganze Weile Richtung Südosten, da blies uns der Wind mal wieder ordentlich ins Gesicht. Aber dafür wurden wir auch mit einer sehr schönen Landschaft belohnt. Als wir auf Zoutkamp zu fuhren, schien es, als würde ein Segelschiff unseren Radweg kreuzen.
Hinter Zoutkamp ging es ein Stück an einem Wäldchen mit blühenden Kastanienbäumen entlang. Wir genossen die erstaunlich abwechselungsreiche Landschaft und die malerischen kleinen Orte. In Houwerzijl gab es sogar ein Teehaus mit Teegarten und Museum, doch die schlossen gerade. Und wir waren nun auch froh, als wir heutiges Ziel Pieterburen erreichten.
Mit einem leckeren Abendessen (Steak vom Groninger Weiderind mit Pommes, Salat und einer Art Rhabarber-Kirsch-Chutney) und einem kurzen Spaziergang durch den Ort beschlossen wir den auch heute wieder nicht ganz regenfreien Tag. Es hatte just auf dem Rückweg vom Restaurant wieder zu regnen begonnen…