Oban – Dunstaffnage Castle
7,8 km Wanderung + Bus
Heute Vormittag sollte noch regenfrei sein. Daher frühstückten wir etwas früher um für unsere Wanderung zum Dunstaffnage Castle noch gutes Wetter, vielleicht sogar etwas Sonne zu erwischen.
Zunächst ging es auf bereits vertrauten Nebenstraßen unterhalb des Battery Hill durch Oban, bevor wir wieder zur Uferpromenade abstiegen. Bald ging es aber wieder vom Ufer weg bergauf in dan Dunollie Woodland Forest. Anders als auf dem Weg zum Dunollie Castle stiegen wir jetzt bergauf. Erst nach Haken durch Nebenstraßen gelangten wir wieder auf einen Fuß- und Wanderweg. Allerdings waren alle Wege nach reichlichem Regenschauern in den letzten Tagen wieder gut durchgeweicht und zum Teil gut matschig. Entschädigt wurden wir durch schöne Landschaft, den einen oder anderen Ausblick und … Brombeeren, die reichlich an Büschen entlang des Weges wuchsen.
Nun stiegen wir auf einer kleinen Straße wieder ab in Richtung Ganavan. Auch hier gab es interessante Pflanzenexemplare zu entdecken, z.B. Riesenrhabarber, der bei uns den ganzen Garten einnehmen würde. Nach der Ganavan White Sands Bucht – sehr einladend zum Baden (bei wärmeren Temperaturen) – ging es wieder bergauf. Hier mussten wir zum Teil den Weg durch die hohen Stauden suchen: wieder sehr feucht aber auch wieder mit schönen Ausblicken.
Nach einem sehr rutschigem Abstieg erreichten wir einen asphaltierten Weg der uns nun sicher schnell und unbeschwert zum Dunstaffnage Castle führen würde. Aber weit gefehlt! Auf den „letzten Metern“ mussten wir noch einen sehr sumpfigen „Feenwald“ überwinden. Rechterhand schimmerten schon die Überreste der Old Staffnage Chapel durch das Dickicht; aber es führte ein bequemer Weg zur Kapelle. Die Kapelle hatte die Familie MacDougall im 13. Jh. bauen und prächtig ausstatten lassen, allerdings nicht als Begräbniskapelle – begraben sind sie daher auf Lismore. Erst nach der Reformation legten die neuen Herrscher über Dunstaffnage, die Campbells einen neuen Begräbnisgang an.
Dunstaffnage Castle lag nun quasi um die Ecke. Wir hatten uns vorher im Internet über die Öffnungszeiten und Eintrittspreise informiert und gelesen, dass Besucher die zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, einen vergünstigten Eintritt zahlen. Dank unseres Outfits mit den lehmverschmierten Wanderschuhen war dies keine Frage und wir konnten nun eine der ältesten Steinburgen Schottlands besichtigen. Die Burg wurde 1240 vermutlich durch Duncan MacDougall errichtet, den Enkel des Großen Somerled, selbsternannten „König der Inseln“.
Von dieser exponierten Stelle aus konnte man die Gegend gut kontrollieren. Schiffe und fremde Heere konnten sich kaum unbemerkt nähern; ein nicht zu unterschätzender Vorteil in Zeiten, wo das Kingdom of Scotland und Norwegen um die Vorherrschaft über die Hebriden kämpften. Die Schotten errangen die Gewalt über die Gegend, aber auch danach wurde es nicht ruhig um das Castle. Robert the Bruce belagerte die Burg, die MacDougalls unterlagen und die Campbells herrschten nun in Dunstaffnage, bis … auf einen kurzen Zeitraum in dem der 9. Chief der Campbells gegen König James II. aufbegehrte und enthauptet wurde. Erst einige Jahre später wurde die Burg wieder an die Campbells unter dem 10. Chief übergeben.
Zwischenzeitlich, mit Niederschlagung des Jakobitenaufstands, „residierte“ 1746 hier eine prominente Gefangene – Flora MacDonald, die Bonnie Prince Charlie die Flucht in Frauenkleidern als Dienstmagd Betty Burke ermöglicht hatte.
Anders als die anderen Ruinien, die wir besichtigt hatten, war Dunstaffnage Castle relativ gut erhalten, wenn auch nichts von der Einrichtung überliefert oder nachgebildet worden war. Aber in einem Raum hätten wir eine Version des englischen Würfelspiels „Snakes and Ladders“ mit historischen Begebenheiten spielen können, eine Etage höher konnte man sich an einem Steinbogen versuchen. Der Rundweg auf der Mauer bot weitere Ausblicke, unter anderem auf den Yachthafen in der Bucht von Dunbeg, von wo aus früher die Burg mit Wein, Gewürzen und Proviant beliefert wurde.
Inzwischen hatte immer mal wieder leichter Regen eingesetzt und so folgten wir der Empfehlung des Manns vom Ticketschalter und gingen ins Café des Ocean Discovery Centres, das von der SAMS (Scottish Association of Marine Science) betrieben wird und Wissenswertes über das Leben und den Schutz der Meere und Ozeane vermittelt. Gestärkt mit Kaffee/Tee und Kuchen machten wir uns auf den Weg in den Ort, da dort Busse nach Oban abfuhren. Es war noch ein Stückchen zu laufen, aber selbst dann hatten wir noch mehr als 30 Minuten Zeit bis der Bus nach seiner Runde durch den Ort wieder am Wartehäuschen vorbei den Rückweg nach Oban antreten würde.
Für 2 £ pro Nase brachte uns der Bus nach Oban zurück, wo wir unbedingt noch in zwei drei Geschäfte gehen mussten: ein Haushaltwarenladen mit vielen schönen Dingen, die wir leider nicht mitnehmen konnten und The Highland Soap Company mit hochwertigen Kosmetik-Naturprodukten u.a. mit Seetang und Whisky. Das kühle und feuchte Wetter hielten uns nicht davon ab, noch einmal im Pokey hat vorbeizuschauen und uns Toffee- bzw. Salted Caramel Eis zu gönnen. Rechtzeitig bevor der große Regen einsetzte waren wir zurück in unserem Quartier.