Oban – Dunollie Castle und zurück
6 km Wanderung
Heute Vormittag regnete es – wie vorhergesagt – in Strömen. Somit konnten wir uns beim Frühstück Zeit lassen und danach konnte ich noch einige Berichte für die letzten zwei Tage nachholen.
Aber dann hörte der Regen doch auf und es wurde heller. Da die Wetterprognose günstig war, ergab sich doch noch die Gelegenheit zu einer nicht allzu großen Wanderung oder ehrer einem Spaziergang zum Dunollie Castle, dessen Ruine auf dem Berg wir bereits gestern auf dem Rückweg von Lismore erspäht hatten.
Zunächst ging es ein ganzes Stück oberhalb des Stadtzentrums von Oban entlang mit einer guten aussicht über die Bucht. Dann stiegen wir ab und erreichten über Nebenstraßen und -wege den apshaltierten Weg durch die Dunollie Woodlands, mit imposanten Felsen am Wegesrand. Besonders auffällig war der links des Weges einzeln stehende Fels „Fingals Dogstone“, wo der keltischen Legende nach der Held Fingal seinen großen Hund Bran angeleint hatte.
Zunächst war schon von Weitem die Burgruine zu sehen, dann schließlich auch das weiße Herrenhaus, in dem heute der 37. Chief des Clans MacDougall und seine Familie wohnen. Das Haupthaus ist daher nicht zu besichtigen, aber die historischen Nebengebäude geben einen Einblick in die Geschichte von Castle, Clan und Estate und die früheren Lebensumstände. So sind Küche und Wäschekammer sowie ein Dienstmädchenzimmer zu besichtigen. Das Gebäude beherbergt auch das Familienarchiv mit unschätzbar wertvollen Zeitdokumenten, die klimatisiert gelagert werden und darum nur für Forschungszwecke zugänglich sind. Derzeit arbeitet man zusammen mit vielen Freiwilligen daran, das Archiv weiter zu ordnen, aufzubereiten und zu digitalisieren.
Die Geschichte der Besiedeleung von Dunollie geht bis 8000 Jahre zurück, eine erste Festung stand hier im frühen Mittelalter im Königreich Dál Riata. Irischen Quellen zufolge wurde Dun Ollaigh, so der gälische Name Dunollies, dreimal hintereinander angegriffen oder niedergebrannt. Das zeigt die strategische Bedeutung der Burg auf den Klippen.
Die heutigen Ruinen gehen auf das 15. Jh. zurück. Die Burg wurde Sitz des Clans MacDougall, Nachkommen des legendären Königs Somerled, der die Wikinger besiegt hatte. Aber in den historischen Wirren über die Jahrhunderte gewann und verlor der Clan immer wieder Land und Burg. Da sich der Clan nicht am Jakobitenaufstand beteiligte – es heißt sogar dass die damalige Ehefrau des Clan Chiefs ihm absichtlich Verbrühungen am Bein zufügte, damit er nicht in die Schlacht ziehen konnte. Der Clan MacDougall blieb daher von Repressionen nach dem Scheitern des Aufstands unbehelligt. 1746 zog die Familie in das neu gebaute Georgianische Herrenhaus, das Burgdach des alten Castles wurde abgerissen um Steuern zu sparen und Teile der Burg wurden für weitere Bauten genutzt.
Wir besichtigten noch den Garten mit Teich, Feengarten und Woodland Garden mit einer „Riesenattraktion“, einem imposanten Mammutbaum („Redwood“ oder „Sequoia“), der im 19. Jh. als Setzling geflanzt worden war, es allerdings nicht mit den viel älteren Geschwistern in Kalifornien aufnehmen kann.
Um 16:00 Uhr schloss der Garten und so gingen wir nun am Ufer zurück zur Stadt. Die Sonne war bereits auf unserem Weg zur Burg herausgekommen und so glitzerte das Meer in der Bucht und die Inseln und Berge in der Ferne waren in ein ganz besonderes Licht getaucht.
Im Memorial Park am Ufer erinnerte ein kleines Denkmal mit Anker an all jene, die ihr Leben auf See in diesen Gewässern verloren hatten, und ein großes Denkmal mit zwei Highländerfiguren, die einen Kameraden bergen, ist den Gefallenen in den Weltkriegen sowie dem Falklandkrieg gewidmet. Auf dem Weg schauten wir kurz in die katholische Kathedrale St. Columba hinein, die trotz allen Engagements erst nach dem 2. Weltkrieg fertiggestellt werden konnte.
Am Schokoladenhaus entdeckten wir noch eine Wand mit Abwandlungen von modernen Gemälden – natürlich mit Schokoladenanspielungen, wie z.B. Heinrich VIII. mit Hamsterbacken voller Schokolade und einer Schokoladentüte in der Hand. Wir schlenderten weiter zum Hafen, wo wir im Fishouse einen Tisch zum Abendessen reserviert hatten. Da noch Zeit war schauten wir noch in zwei-drei Geschäfte hinein. Zum Glück bekamen wir eher einen Tisch, so dass wir nach einem gemütlichen Abendessen noch kurz für morgen zum Frühstück einkaufen konnten und nicht zu spät wieder von der Tour zurück waren – schließlich war noch der Bericht vom heuigen Tage zu schreiben.