Oban – Lismore
11,5 km Fähre (einfache Strecke), 10,7 km Wanderung
Da für heute noch das beste Wetter vorhergesagt war (nur früh und abends Regen), wollten wir eine Wanderung auf Lismore machen. Wir gingen zu Fuß zur Fähre um 09:00 Uhr; die Tickets kauften wir direkt am Hafen. Ob wir die 15:00-Uhr-Fähre zurück schaffen würden, war ungewiss und so buchten wir die Rückfahrt für 18:15 Uhr, eventuell würde uns das Schiff um 15:00 Uhr uns auch mitnehmen, sollten wir schneller sein.
Das Fährterminal hatten wir gerade noch vor dem nächsten Guss erreicht, aber wir mussten trotzdem noch im Regen bis hinter zum Fähranleger. Zum Glück gab es rechts und links des offenen Autodecks eine Lounge unter Deck, von wo aus wir trocken auf die bewegte und regnerische See schauen konnten. Dann hörte der Regen sogar auf, so dass wir nach oben gehen und den Ausblick auf die Inseln und dahinter das schottische „Mainland“ genießen und sogar ohne Regen von Bord gehen konnten. Trockenen Fußes kann man leider nicht sagen, denn die Route führte über feuchte Wiesen mit dem einen oder anderen kreuzenden Bächlein.
Ein scheinbar sehr altes schottisches Steinkreuz am Wegesrand entlang der Küste stellte sich als Gedenkstein heraus, den ein trauernder Vater im Juni 1891 zum Gedenken an seinen ertrunkenen Sohn errichten ließ. Auch einige andere Gebäudereste passierten wir, hier aber ohne jeden Hinweis auf Alter, Ursprung oder Zweckbestimmung.
Eine Herausforderung hatten wir aber noch zu bewältigen: Da die Wege nur andeutungsweise zu erkennen sind und eher etwas abseits von der Idealroute verlaufen, hatten wir einen „Abzweig“ verpasst und mussten ganz vorsichtig an einer ziemlich steilen Stelle auf den Weg zurückklettern.
Im weiteren Verlauf wurde es wirklich historisch: Von weitem waren prominent auf einem Hügel kreisrunde Mauerreste zu erkennen. Der Tirfur Broch (oder Burg) wurde vor über 2000 Jahren in der späten Eisenzeit errichtet und war vermutlich bis ins Mittelalter bewohnt und aufgrund seiner Lage auf dem Berg in Ufernähe gut zu verteidigen. Auch bei unserer Annäherung wurden wir bereits von einem Späher-Schaf entdeckt. Oben vom Hügel hatten wir wiklich einen fantastischen Rundumblick.
Weiter ging es jetzt auf Pfaden und Fahrwegen querfeldein zum nördlichsten Punkt unserer Route und weiter in Richtung des Lismore Gaelic Heritage Centre mit angeschlossenem Café. Es eröffneten sich erstaunliche Ausblicke: auf einer Weide sahen wir orangene Schafe, die Wolken, die sich dünn vor die gegenüberliegende Küste schoben erstrahlten in einer regenbogenfarbigen Aura.
Wir passierten das alte Schulhaus und gelangten zu einer alten Kirche. Im Ort Clachan hatten die MacDougalls im 13. Jh. auch eine Steinkirche errichten lassen; etliche Bischöfe in Argyll gingen auf die MacDougalls zurück. Die Kirche diente als prominente Grabstätte für den Clan, die ausgestellten alten Grabplatten zeugen davon.
Nun zweigten wir von der Hauptroute ab, um einen Blick auf die Burgruine Castle Coeffin zu werfen. Die Burg wurde im 13. Jahrhundert an der Stelle einer Wikingerfestung errichtet. Sie ist nach dem dänischen Fürsten Caifen benannt. Jahrhundertelang war das Castle mit der günstigen Lage mit Ausblick auf Loch Linnhe ein Stützpunkt des Clans MacDougall.
Nach etlichen Kilometern und Jahrhunderten, die schon hinter uns lagen, freuten wir uns auf eine Pause mit Kuchen, Kaffee und Tee und sogar noch einem Eis (Holunder und Schlehenbeere) aus lokaler Herstellung. In der Ausstellung erfuhren wir mehr über die Geschichte der Insel. Interessant ist vor allem die Legende um St. Moluag, der sich hier von Lismore aufmachte, das Christentum unter den Pikten zu verbreiten. In seinem missionarischen Eifer stand er in Konkurrenz zu St. Columba und man erzählt sich, dass er den „Wettlauf“ um Lismore gewann, indem er sich einen Finger abschnitt, ihn ans Ufer warf und so mit seinem Fleisch und Blut die Insel als heiligen Boden für sich reklamierte.
Wir hatten die Insel ebenfalls für uns „erobert“, aber weniger blutig, und machten uns auf den Rückweg zur Fähre. Wir hätten es beinahe noch zur 15:00-Uhr-Fähre geschafft, aber da war sie: schon auf dem Weg nach Oban. So hatten wir noch viel Zeit. Wir gingen hoch in den Ort, nahmen die Einladung „Everyone welcome“ wörtlich und nutzten die Sitzgelegenheiten am Spielplatz der Grundschule, von der einfachen Bank bis zu einem Holz“sessel“ vor einer niedrigen Steineinfassung, die an die ehemalige wohltätige Besitzerin des Hauses erinnerten, an dessen Stelle der Spielplatz angelegt werden konnte.
Wir hatten auch noch Einiges zum Picknick dabei, so dass uns die Zeit bis zur Ankunft der Fähre nicht allzu lang wurde. Wir nutzten die Zeit auch noch zu einem Videoanruf, um Kindern und Enkel einen Live-Bericht und einen Blick auf das Meer zu geben.
Außerdem sorgte die Ankunft von einem Vater und seinem geschätzt 10jährigen Sohn auf Fahrrädern für Abwechslung. Beide waren über die Fähre im Norden von Appin auf die Insel gekommen und wollten zurück über Oban zu ihrem Auto, um nach Hause nach Newcastle zurückzukehren. Wir kamen ins Gespräch und tauschten uns über diese und jene Radtour aus. Aber erst musste der Vater noch kurz mal ins kalte Wasser springen – die Fähre war schon in Sicht – und sein Sohn krempelte auch noch einmal die Hosen hoch und watete im flachen Wasser ein wenig herum. Auch auf der Fähre hatten wir noch Gesprächsstoff. Aber es gab auch viel zu sehen, weil die Sicht inzwischen besser geworden war. Sogar Delfine kamen vorbei.
Wieder in Oban angekommen waren wir gut geschafft und so bereiteten wir uns in der Ferienwohnung selbst Abendesse zur: Uwe kochte Penne mit Tomatensoße.
Morgen sollte es erstmal regnen und so verschoben wir unsere „Chronistenpflichten“ und machten stattdessen noch ein Brettspiel.