Rundweg in Oban
Nach einem gemütlichen Sonntagsfrühstück machten wir uns auf, Oban bei einem Rundgang zu erkunden. Wir hatten bei Komoot eine Route entdeckt, wo wir nahe unserer Ferienwohnung einsteigen konnten. Zunächst ging es aufwärts Richtung Oban Hill (84 m). Nachdem wir in einen Nebenweg abgebogen waren, wurde es wild: der Pfad führte durch hohes Gras und Stauden und einen „verzauberten“ Wald. Ein paar Schritte auf einem Pfad abseits der Route führten uns zu einer Ruine, die an ein altes Castle erinnerte. Es sind aber die Überreste eines ehrgeizigen Hotelprojekts, das 1881 gestartet wurde. Hier sollte ein Bäderhotel oder „Sanatorium“ entstehen, für das man sich mit der Fertigstellung der Bahnverbindung nach Edinburgh und Glasgow gute Chancen auf wohlhabende Kundschaft ausrechnete. Bereits 1882 stand der Rohbau mit Dachstuhl, aber die Kosten uferten aus, so dass das Projekt aufgegeben wurde und der Bau verfiel und den Einheimischen als „Steinbruch“ für ihren Hausbau diente.
Die Route kürzten wir jetzt ab und querten direkt zum Hügel auf dem der McCraig’s Tower hoch über der Stadt trohnt und eher an das Colosseum in Rom als an einen Turm erinnert. Kollosal sollte es wohl werden, was sich der Unternehmer und Bankier Stuart McCaig als Denkmal für sich und seine Familie so vorgestellt hatte. Zudem wurden durch den Bau etliche der in der Nebensaison sonst arbeitslosen Handwerker beschäftigt. Der Bauherr erlebte die Fertigstellung seines Traumes nicht mehr und seine Witwe stoppte das kostspielige Projekt. Aber zumindest die äußeren Bogenreihen wurden fertiggestellt und sind heute eine Touristenattraktion, zumal man von hier aus auch einen hervorragenden Ausblick auf die Bucht mit dem im Halbkreis angeordneten Hafen, Kaimauer und die daran angelehnte Stadt genießen kann. Von hier stiegen wir in die Stadt ab, vorbei an einem Glasmacherladen und einem sehr schönen Garten mit bunten Moasiken und zwei offensichtlich tief in die Gartenarbeit abgetauchten Personen – nur die Beine schauten noch heraus.
Wir kamen an einer ziemlich „verbauten“ Kirche vorbei, St. John’s Cathedral. Die Kirche war usprünglich für die gleichnamige Gemeinde im Jahr 1864 gebaut, mit späteren Erweiterungen, die das Gebäude zu einem repräsentativen Ort machen sollten, der eines Bischofssitzes würdig ist. Allerdings wechselten häufig die Architekten und 1911 wurde ein Erweiterungsbau aus Kostengründen vorzeitig beendet. Der unfertige Eindruck blieb, auch wenn es immer wieder neue Entwürfe gab, den Bau zu vollenden. Auffällig sind im Inneren die Stahlverstrebungen zur Stabilisierung und das moderne Glasdach, das den Bau in helles Licht taucht.
Inzwischen waren wir etwas hungrig geworden und so gingen wir in einen Pub, in dem in guter Sonntagstradition auch ein „Sunday Roast“ (Sonntagsbraten) angeboten wurde. Wir wurden nicht enttäuscht und so waren wir gut gestärkt für den Bummel durch die Läden und Souvenirgeschäfte. Der gerade auslaufende der imposante Zweimaster, dessen Takelage hinter dem Columba-Hotel von überall gut zu sehen war, entpuppte sich als das polnische Segelschulschiff „Frederyk Chopin“. Aber wieder zurück zu unserem Spaziergang. In einem Craft Shop / Gallery gab es Einiges von lokalen Künstlerinnen und Kunsthanderwerkern zu sehen und zu kaufen. Eine Frau arbeitete gerade an einer großen Strickdecke, bei der sie die Windstärken für jeden Tag nach einem Farbindex verarbeitete. Das Produkt aus dem Vorjahr hatte sie auch dabei: eine „Temperaturdecke“ mit den jeweiligen Temperaturwerten (max/min/Durchschnitt) über das ganze Jahr 2025 hinweg.
Das Schokoladenhaus (zugleich Café) wollten wir uns für einen anderen Tag aufheben, wir kauften nur eine kleine Kostprobe. Dafür verkosteten wir je eine Kugel Eis im The Pokey Hat.
Kostprobe ist das Stichwort: wir machten noch eine Stippvisite in der Whiskybrennerei, allerdings nur im Verkaufsraum und der Bar. Auf eine Tour verzichteten wir, zumal die Distillery ohnehin gerade im Wartungsstillstand war und nicht produzierte. Stattdessen probierten wir nur zwei Gläschen der Oban-Produkte – jeder durfte mal nippen, was völlig aureichend war.
Nach einigen kleineren Einkäufen, einschließlich Lebensmittel, kehrten wir nun, doch später als erwartet in unser Quartier zurück.