Talisker – Fairy Pools / Cuillins
7,27 km Wanderung
Heute hatten wir nach dem Frühstück eine feste Verabredung. Um 10:20 Uhr mussten wir in Carbost in der Talisker Distillery sein – zu einer Führung und Verkostung.
War es an unserem Ferienhaus noch durchwachsen, grüßte uns bereits vor der Whiskybrennerei die Sonne mit aller Kraft. Normalerweise soll es ja auf Skye 300 Tage im Jahr regnen; wir hatten da offensichtlich besonderes Glück, bestätigte uns auch Jo, die uns durch die Brennerei führte.
Obwohl alle Whiskies die gleichen drei Grundstoffe für ihren Whisky verwenden – Gerste, Hefe und Wasser – hat doch jede Brennerei ihre ganz speziellen Whiskies mit dem ganz charakteristischen Geschmack. Die Unterschiede lassen sich durch den jeweils eigenen speziellen Brennprozess erklären; bei Talisker heißt das Motto: Heat, Peat and Sweet. Hier legt man Wert auf die süßlichen Aromen und einen mittleren Torfgeschmack. Dies lässt sich über Hitze, Gärungsdauer und Destillation steuern. Die Gärung bringt zum Beispiel je nach Dauer unterschiedliche Aromen hervor: Müsli/Körner-nussig-Gras-erdig-frisch-blumig-fruchtig-tropisch.
Nachdem wir einiges grundsätzliches über die Whiskyherstellung erfahren hatten, ging es nun zur Besichtigung. Wir warfen einen Blick auf die Maische, dann konnten wir die riesigen hölzenen Gärbottiche bestaunen … und hier lag schon ein süßlicher Duft in der Luft. Das war aber noch nicht der alkoholische Tribut für die Engel (der Angels Share), also der 1% Verlust, der bei der Lagerung verdunstet. Die kupfernen Destillierblasen mit ihrer charakteristischen Form durften wir fotografieren, aber nicht zu dicht dran, weil die ganze Luft voller leicht entzündlicher Dämpfe war. Hier sah man auch wieder den klassischen „Safe“ mit Schauglas, wo das Destillat – noch unversteuert, daher die Schlösser davor – als Vorlauf, Sprit und Nachlauf in die jeweiligen Behälter geleitet wurde.
Durch entsprechende Mehrfachdestillation und Lagerung in gebrauchten Holzfässern, die je nach Holzart und der vorher darin gelagerten Flüssigkeit (Burbon, Portwein, Sherry) wesentlich das künftige Aroma beeinflussten, entstand das, was wir nun am Ende der Tour verkosten durften. Jeder Besucher hatte drei „Proben“ unterschiedlicher Produkte in jeweils einem Gläschen zu verkosten. Man konnte aber auch ein „Drivers Package“ bekommen, wo man sich die Reste nach eigenem Belieben in drei kleine Fläschchen abfüllen konnte, wenn man nur ein „Näschen“ und „Schlückchen“ probieren wollte. Auch wir nahmen ein solches Paket, teilten uns die Gläser und füllten den Rest nach Sorte getrennt ab. Selbst wenn man nicht fahren musste, war die Verkostung von 3 Gläschen mit 46 % schon eine Herausforderung.
So wählten wir nach dem Tasting auch noch ziemlich klaren Kopfes unsere „Andenken“ aus. Draußen, gegenüber der Brennerei gab es Kaffee und Kuchen und so setzten wir uns noch einmal gemütlich hin und stärkten uns, bevor wir zum Startpunkt unserer heutigen kleinen Wanderung fuhren. Es war nicht weit, aber dorthin führten sehr kleine, enge und kurvenreiche Straßen in einem Wechsel aus Auf und Ab mit Ausweichstellen (Passing Places) für den Gegenverkehr. Man musste also schon immer die Straße voraus im Auge behalten, um rechtzeiig anzuhalten oder an wartenden sehr entgegenkommden Entgegenkommern vorbeizufahren.
Der Parkplatz war sehr gut besucht, wie auch der Weg, der entlang des Flüsschens Allt Coir a‘ Mhadaidh nach oben auf die Silhouette der Cuillin Hills zu führte. Der Fluss nahm auf seinem Weg nach unten etliche Stufen und so hatten sich aus Fels und Geröll etliche kleine Becken gebildet, die Fairy Pools (Feenbecken). Dort tummelten sich die Besucher, um sich im kalten Wasser zu erfrischen – oder ihren Todesmut mit einem Selfie einzufangen. Je höher wir kamen desto weniger Wanderer, Spaziergänger oder Planschende traf man. Und so stecken auch wir unsere Wandererfüße mal zur Erfrischung in das kühlende Nass und machten gleich noch eine Picknick-Pause. Danach trennten sich unsere Wege: Uwe und Ines wollten sich langsam auf den Rückweg machen, während Birgit und ich auf dem geplanten Rundweg weiter gingen. Dieser führte noch ein Stück nach oben und dann in einem größeren Bogen weiter oberhalb zurück. Hier begegneten wir niemandem mehr und der Pfad war vielfach nur zu erahnen, wenn man dank GPS wusste, wo es langgehen müsste. Es gab immer wieder andere Perspektiven und wir kreuzten Bäche und kleine Wasserfälle. Allerdings mussten wir auch immer wieder vom Weg abweichen oder ausweichen – weil die Wiese oder Weg aufgeweicht waren. Birgit oder ich gerieten immer mal wieder in ein Schlammloch (oder besser Schlammfalle), aber unsere Wanderschuhe steckten das weg – die Füße blieben trocken. Am Ende trafen wir nicht nur wieder auf den Spazierweg, sondern auch auf Ines und Uwe, so dass wir die letzten Meter zum Auto gemeinsam zurücklegten. Mit Kurs Ferienhaus ging es nun wieder auf die engen Straßen – es war nun viel mehr los, was öfter Warten bedeutete. An der Brücke von Sligachan kehrten wir in Seuma’s Whisky Bar ein, gerade rechtzeitig, um hier zu Abend zu essen und der beworbenen schottischen Live-Musik zu lauschen. Man hatte hier offensichtlich nicht nur einen Sinn für eine gute Getränke- und Speisenauswahl, sondern auch Humor: auf mehreren Schildern wurde als Tagessuppe angepriesen „Soup of the Day – Whisky“, gern auch mit „H2O-Croutons“ (Eiswürfel!). Die Live-Musik lieferten sehr gekonnt zwei Jungen mit Gitarre, Fiddle und Keyboard, die sich, so hatte es zumindest nach dem geschätzten Alter den Anschein, ein ordentliches Taschengeld verdienten und den Boden für eine Musikerkarriere nach der Schule bereiteten.
Gut gelaunt und gesättigt fuhren wir die restlichen wenigen Kilometer zu unserem Ferienhaus.