Dunvegan
Nach der gestrigen Wanderung sollte es heute zum Dunvegan Castle und den anliegenden Gärten gehen. Auch Seehunde sollten zu sehen sein, wenn man eine kurze und erschwingliche Bootstour zum Eintritt dazu bucht.
Heute durfte ich mich mal im Linksfahren üben. Es klappte ganz gut, man muss nur bei jedem Zwischenhalt an einem Aussichtspunkt oder einem anderen Parkplatz dran denken, wieder auf der richtigen, der linken Seite zu landen.
Die Straßen schlängelten sich durch die reizvolle Landschaft, mit grünen Hüglen, hohen Bergen als Hintergrundkulisse und dem einen oder anderen „Sea Loch“, d.h. einem Ausläufer des Meeres, der sich durch die Berge und Hügel drängt.
Nach einer kurzen Abschweifung, auf die uns das Navi über eine einspurige Nebenstraße schickte, ließen wir den Ort Dunvegan hinter uns und erreichten Dunvegan Castle. Hier war viel los, Parken und Toilettenstopp waren kostenlos. Den Eintritt zahlten wir an einem Kiosk, die Bootsour zu den Seehunden und Robben sollten wir oberhalb der Pier buchen, je nachdem welches Zeitfenster noch verfügbar war. Uns blieben 2 Stunden um erst einmal das Castle anzuschauen.
Anders als man sich ein schottisches Castle vorstellt – trutzige grob behauene Steine – ist Dunvegan Castle bis auf den Felssockel, auf dem es am Rande einer Bucht steht, durchgängig verputzt. Aber der Schein trügt: hier residieren schon seit über 700 Jahren die MacLeods, die auch die schweren Zeiten überstanden: nach dem Jakobitenaufstand, wo andere Clans nicht nur Titel und Privilegien sondern auch ihr Hab und Gut, Ländereien und Vermögen verloren, und die Zeiten der großen Hungersnot nach der Kartoffelkrise, die nicht nur Irland sondern auch Schottland traf. So wie viele einfache Schotten wanderten auch Mitglieder des MacLeod-Clans nach Amerika oder Australien aus. Die familiären Bande wurden erst viel später wieder geknüpft, maßgeblich durch Flora, die als 28. Chief of MacLeod die jährliche Zusammenkunft des Clans zu ihrer Herzensangelegenheit machte.
Ob zu Zeiten als der Clan aufseiten der Iren gegen die Engländer kämpfte, als sie die Stuarts unterstützten oder wegen ihrer Neutralität im zweiten Jakobitenaufstand glimpflich davonkamen – die Feenfahne, die im 4 Jh.v.Chr in Griechenland gefertigt wurde und irgendwie in den Besitz der MacLeods gelangt sein musste, hat den Clan auf wundersame Weise beschützt. In den Räumen der Burg, die eigentlich aus 10 einzelnen Gebäuden unterschiedlicher Epochen besteht, sind noch andere historische Objekte zu sehen, die auch ihre eigene besondere Geschichte haben. Zum Beispiel der von den dankbaren Iren überreichte Pokal, der 1,2 Liter Wein fasst und von jedem neuen Clan Chief in einem Zug geleert werden muss. Da macht das Motto des Clans „Stand Fast“ (Bleibe Standhaft) erst recht Sinn.
Die Geschichte von Burg und Clan wurde in einem 13-Minuten-Video vom amtierenden Chief der MacLeods vorgestellt.
Nach dem Shop verließen wir das Castle und gingen langsam zum Anleger, wo wir noch kurz ein Eis genossen bevor wir mit Schwimmwesten ausgestattet wurden.
Mit 7 Passagieren und dem Skipper fuhr das kleine Boot auf den „Sea Loch“ hinaus und es dauerte nicht lange bis wir die ersten Seehunde auf einer tangbehängten Insel sahen. Wenn einer „Planking“ kann, dann diese Robben. Mit vornehm abgewinkleter Flosse gerade auf einem runden Felsen liegen kann nicht jeder! Es wurden immer mehr, die liegend das schöne Wettter genossen. Nur zwei waren im Wasser, ein Junges und ein Weibchen, das an Land robbte und lustige Geräusche von sich gab, die wie sehr lautes Rülpsen klangen. Auf dem Rückweg konnten wir noch einmal die doch recht imposante Burgsilhouette von der Wasserseite betrachten.
Auch wenn im zuweilen unwirtlichen Schottland Gärten und Parks ein schwieriges Unterfangen sind, hatten die MacLeods bereits im 17.Jh. mit der Analge eines Gartens begonnen, was allerdings in den unruhigen Zeiten des Jakobitenaufstands nicht weiter verfolgt wurde. 1811 ließ der 24. Chief den „Walled Garden“ anlegen. Während der Hungersnot wurde aber Gemüse zur Versorgung des Landsitzes und seiner Bewohner und Angestellten angebaut. Heute gibt es einen schönen Garten innerhalb der Mauern, einen „Waldgarten“, formalen „Runden Garten“ und einen „Wassergarten“ mit Wässerfällen in einem Bachlauf mit vielen Stauden und Blumen beiderseits des Ufers.
Nach so vielen Eindrücken mussten wir uns erst ein wenig stärken mit Kaffee und Kuchen.
Auf dem Rückweg hielten wir im Ort Dunvegan an und machten noch einen kleinen Spaziergang. Neben einem sehr schönen kleinen Buchladen mit Kaffeeausschank und einem Alpaka-Laden gab es hier auch einen Gemsichtwarenladen, wo wir noch unsere Essensvorräte aufstockten bevor es weiterging – wieder mit tollen Ausblicken auf Lochs und Klippen und Bergkulissen im Hintergrund. Bei Sligachan führten einige Bücken über den Fluss. An der historischen Brücke, die man auch aus Reiseführern kennt, hatten sich viele Menschen versammelt. Aber es ging nicht nur um Fotos, einige nahmen bizarre Verrenkungen in Kauf um ihr Gesicht in den Fluss zu halten, denn dies versprach der Legende nach ewige Schönheit (wahrscheinlich neben einem dauerhaften Rückenleiden).
Auf einem Hügel sitzt John Mackenzie und steht Norman Collie, beide in Bronze. Das ungleiche Paar teilte die Leidenschaft für die Berge, der Tagelöhner führte den Professor regelmäßig bei seinen Klettertouren und so entstand eine lebenslange Freundschaft, der dieses Denkmal gesetzt wurde.
Voll von Eindrücken aus Natur und Geschichte kehrten wir zu unserem Ferienhaus zurück.