Emden – Norddeich
(65,68 km)
Der Tag begann mit einem leckeren Frühstück im Hotel, Doch noch vor unserer Abfahrt gab es eine böse Überraschung, denn gerade als ich mein Rad beladen wollte, stelle ich fest: es hatte vorn einen Platten. Als geübte Tourenradler haben wir natürlich für solche Fälle vorgesorgt, aber ärgerlich ist es trotzdem, wenn man dadurch Zeit verliert. Aber Steffen ist ja Profi-Pannenbeheber und so waren wir nicht mal eine halbe Stunde später bereits startklar.
Die nächste unliebsame Überraschung folgte wenig später, denn der Radweg war an einer Unterführung gesperrt. Umleitung Fehlanzeige. Mit Karte und GPS hatten wir schnell eine Ersatzroute gefunden, die uns auf einem Radweg neben einer Hauptstraße aus Emden herausführte. Doch dann wurde es endlich schön. Das Wetter war sommerlich warm, der Wind kam leicht von hinten und die ostfriesische Landschaft ist auf ihre Art sehr schön. Es ging zunächst über Felder und durch ein paar kleine Dörfer zum Siel- und Schöpfwerk Knock am nordwestlichsten Zipfel der Republik. Wasser war aufgrund der gerade herrschenden Ebbe wenig zu sehen, aber dafür konnten wir auf der gegenüberliegenden Seite der Ems die niederländische Industriestadt Delfzijl sehen, durch die wir am vergangenen Mittwoch gefahren waren.
Das 1968 erbaute Schöpfwerk entwässert mit einer Pumpleistung von 50m³ pro Sekunde die tiefer gelegene Krummhörn, die sonst überschwemmt würde. Über das Werk wachen zwei Statuen, die des Alten Fritz, der auch Fürst von Ostfriesland war und dessen Urbarmachung, Deichbau und Kultur förderte, und sein Urgroßvater der Große Kurfürst, der in Emden seine Brandenburgisch-Afrikanische Handelskompanie ansiedelte und darüber den Seehandel gefördert und zugleich für Brandenburg entwickelte. Nun ging es immer am Deich lang. Der Nordseeradweg verläuft hier größtenteils durchs Landesinnere durch hübsche ostfriesische Dörfer, doch wir wählten die Alternativroute immer am Deich entlang. So kamen wir zum Campener Leuchtfeuer, das wichtigste Seezeichen für die Emdener Seefahrt. Der 1888 in Stahlbauweise errichtete Turm reicht 17 m in den Boden hinein und ist 65,3 m hoch.
Als nächstes erreichten wir den Pilsumer Leuchtturm. Der gelb-rot gestrichene Leuchtturm ist ein echter Touristenmagnet. Es herrschte reges Treiben. Otto-Fans ist der Leuchtturm aus dem Film „Otto- Der Außerfriesische“ bekannt. Kurz hinter dem Leuchtturm verließen wir die Küste und erreichten bald das malerische Dorf Greetsiel. Bei dem schönen Wetter war hier eine Menge los. Wir hatten inzwischen fast 50 km in den Beinen, Zeit für einen Eiskaffee und Erdbeertorte. Da es so voll war, konnten wir das mittelalterliche Flair des Ortes nicht so richtig genießen. Wir schossen ein paar Fotos und setzten unseren Weg entlang der Leybucht nach Norden fort.
Die älteste Stadt Ostfrieslands hat ihre Ursprünge in der sogenannten Theelacht, einem genossenschaftlichen Verbund, der erstmals im Jahr 900 erwähnt wird und dessen Ziel die gemeinschaftliche Nutzung des nach dem Sieg der Friesen über die Wikinger gewonnenen Landes ist. Auch heute tritt die Theelachtskammer noch zusammen, nun aber eher als folkloristisch-traditionelle Veranstaltung. Sie gilt als älteste Genossenschaft der Welt (sagt der Reiseführer). Die Stadt hat einige sehr schöne historische Gebäude aufzuweisen, u.a. ein Renaissance-Giebelhaus aus dem Jahre 1617 in der Einkaufsstraße, die Dree Süsters am Markt, die Ludgerikirche mit ihrem freistehenden Glockenturm. Leider (für uns) findet an diesem Wochenende rund um die Kirche der Pfingstmarkt mit jeder Menge Fahrgeschäften auf dem gesamtn historischen Marktplatz statt, so dass der Blick verbaut war und die Wirkung dieses ungewöhnlichen Gebäudes für uns etwas eingeschränkt war. Der Innenraum war über das Küsterhaus zugänglich und so konnten wir die eigenartige Architektur, die Kanzel, Fresken und Chorgestühl bewundern. Unweit der Kirche befand sich das Teemuseum, ebenfalls in einem wunderschönen alten Gebäude.
Wir fuhren nun wieder aus der Stadt heraus und folgten dem Nordseeradweg bis Norddeich. Hier bogen wir auf den Zeltplatz ab. Bei dem schönen Wetter war Zelten angesagt (andere Unterkünfte waren allerdings am Pfingstwochenende auch nicht zu haben). Es gibt hier eine extra Zeltwiese für Wanderer und Radler. Ansonsten ist der Zeltplatz wohl ausgebucht. Auf Empfehlung der Dame an der Rezeption haben wir uns bei dem Italiener am Zeltplatz einen Tisch reserviert, so dass wir nach dem unser Zelt aufgebaut und wir geduscht waren, ein leckeres italienisches Essen genossen.