Termunterzijl – Leer
(53,7 km)
Natürlich wäre es zu schön gewesen, wenn es in unserer ersten Nacht im Zelt trocken geblieben wäre. Irgendwann zwischen zwei und drei wurden wir von Regengeräuschen auf dem Zeltdach geweckt. Nichts dramatisches, aber halt nass. Wir blieben zum Glück trocken und als wir dann gegen halb sieben wach wurden, war unser Zelt zwar noch nicht ganz trocken, aber auf einem guten Weg dahin. Und zu unserer großen Freude zeigte sich die Sonne ab und zu. Da es auf dem Campingplatz keine Bänke gab und wir unsere Klappstühle diesmal auch nicht dabei hatten, mussten wir beim Frühstück improvisieren. Steffen kochte uns einen English Breakfast Tea, dazu gab es mal wieder Gouda als Alkmaar und Knäckebrot. Nicht gerade reichlich, aber wir hofften nach 26 km in Bad Nieuweschans eine Bäckerei oder ein Café zu finden.
Also bauten wir unser Zelt wieder ab, verstauten die Sachen und machten uns auf den Weg. Die Route führte abwechselnd vor und hinter dem Deich entlang. Wie üblich wurden wir von den Schafen auf und am Weg mal freundlich interessiert, mal missmutig angeschaut und oft auch einfach ignoriert. Es war immer interessant. An einer Stelle stand eine ganze Herde quer über den Weg dicht an dicht, als würden sie für oder gegen etwas demonstrieren. Wir näherten uns langsam und siehe da, es wurde eine Gasse für uns frei gegeben. Wahrscheinlich hatte man ihnen in der Schafschule beigebracht, dass man eine Rettungsgasse offen lassen muss. Wenn das die Zweibeiner nur auch so verinnerlicht hätten…
Außer den unzähligen Schafen sahen wir natürlich auch wieder Wasservögel aller Art. Und ein Hase schaute uns zunächst interessiert entgegen bis er sich dann doch aus dem Staub machte.
Alles in allem eine schöne und abwechslungsreiche Fahrt. Und doch waren wir froh, als wir in Bad Nieuweschans ankamen. Die Freude währte allerdings nicht lange, denn es wirkte alles irgendwie ausgestorben. Café gabs nicht, Restaurant war noch geschlossen. Zum Glück gehörte zum Supermarkt ein kleiner Imbiss. So gabs Kaffee bzw. Cappuccino und ein Brodje gezund (Brötchen mit Gouda, gekochtem Schicken, ein paar Scheiben Ei, etwas Salat, und je einer Gurken- und Tomatenscheibe). So hatten wir uns unsere letzte Mahlzeit in den Niederlanden nicht vorgestellt. Wir holten dann im Supermarkt noch eine Schale mit Obstsalat, den wir später auf einer Bank verspeisten. Eine zweite Enttäuschung folgte direkt danach, denn plötzlich war der Radweg gesperrt. Eine Umleitung wurde zunächst nicht angezeigt und auch sonst keine Infos. So mussten wir nach Bunde, den ersten deutschen Ort, gleich auf einer Hauptstraße fahren. Der Verkehr hielt sich zwar in Grenzen, aber schön ist anders. Plötzlich tauchte ein Radweg-Umleitungsschild auf und verwies auf eine Nebenstraße über die Felder. Nun sahen wir auch den Grund für den Umweg. Die Bahn baut eine Verlängerung ihrer Strecke von Bunde nach Groningen. Der Umleitungspfeil wies beängstigend weit von der Strecke weg und so fuhren wir auf der Baustraße in den Ort. Es war eine Menge gebaut worden, da hatte man wohl die Radwegeschilder vernachlässigt. Aber dank GPS und Bikeline-Karte fanden wir wieder auf unsere Route und konnten nun den Weg nach Leer fortsetzen. Wir hofften zwar immer noch auf ein Café oder eine Bäckerei, fanden aber nichts (allerdings sind wir auch nicht von der Route abgefahren). Als nächstes erreichten wir Weener, laut Karte ein sehenswerter Ort, aber auf uns machte er eher einen trostlosen Eindruck, zahlreiche leerstehende Geschäfte, einige heruntergekommene Gebäude. Nur am alten Hafen wurde es ganz hübsch. Hier stand auch ein Denkmal für die Torffrauen, die früher für das Umladen des hier angelandeten Torfes zuständig waren, eine harte und körperlich schwere Arbeit.
Nun ging es an der Ems entlang nach Leer, unserem heutigen Zielort. Ein Hotelzimmer war bereits gebucht. Unser Radweg führte direkt ins Stadtzentrum. Am alten Hafen setzten wir uns beim Restaurant Waage auf die Terasse und genossen erstmal einen Ostfriesentee mit Pflaumenkuchen. Nun ging es uns gut. Wir fuhren danach erstmal zum Hotel, schlossen die Räder ein und machten uns frisch. Zur Erkundung dieses hübschen alten Städtchens folgten wir zunächst dem empfohlenen „Leerpfad“, doch dann ließen wir uns einfach treiben und genossen das Flair der Altstadt. Wir kamen auch am Teemuseum im Stammhaus der Firma Bünting vorbei, leider kurz vor Toresschluss. Neben dem klassischen Hauptgebäude stand ein farbenfroh bemaltes weiteres Firmengebäude. Beim Tee am Nachmittag hatten wir uns gleich einen Tisch für 19.00 Uhr zum Abendessen im Restaurant Waage reserviert. Das war auch gut so, denn später waren nur noch Plätze im Freien verfügbar, das wäre uns aber etwas zu kalt geworden. Vor dem Essen sahen wir uns noch den Museumshafen an. Auf einer Tafel erfuhren wir, dass Leer eine Stadt der Reeder ist, nur in Hamburg gibt es mehr Reederein als hier (bezogen auf Deutschland). Ein Grund dafür ist sicher die Nautik- und Seefahrtsausbildung der Hochschule Emden/Leer.
Das Essen war vorzüglich (als Gruß aus der Küche gab es eine Spargelmousse mit leicht senfiger Note und gehackten Pistazienkernen). Nach dem Essen spazierten wir am alten Hafen entlang zurück zu unserem Hotel. Gute Nacht!