Varel – Oldenburg
(37,2 km)
Nach einem guten Frühstück an frischer Luft machten wir uns auf die letzte echte Radfahreteappe. Wir hatten uns gegen eine weitere anstrengende Etappe von 70-80 km (bis Bremen oder Bremerhaven) entschieden, weil wir dort schon öfter Station gemacht hatten und wir die Tour ohne größeren Stress ausklingen lassen wollten. Also ging’s nach Oldenburg, von wo wir ebenfalls mit 3-4mal Umsteigen per Regio nach Hause fahren konnten. Außerdem waren wir beide nur jeweils kurz mal dort gewesen, und zwar schon vor längerer Zeit.
Die neu geplante Tour führte zunächst kurz durch Varel, dann durch den schönen schattigen Vareler Stadtwald. Bei bald 29°C und keinem Wölkchen in Sicht war Schatten schon sehr nützlich. Den hätten wir wohl auf der klassischen Nordseerout heute nicht gehabt. Dafür gab’s abschnittsweise schon mal etwas Gegenwind. Meist fuhren wir auf Nebenstraßen oder bei größeren Straßen schon mal auf einem abgesetzten Radweg. Aber wir hatten lange Strecken dabei, wo wir auf schattigen Alleenstraßen unterwegs waren. Na gut nicht immer waren wir da alleene.
Neben viel Landschaft und sogar dem einen oder anderen See oder Teich gab es eine nennenswerte Sehenswürdigkeit in Rastede: das Schloss Rastede im Oldenburger Klassizismus, das lange Zeit Residenz der Grafen und Herzöge des Hauses Oldenburg war. Das ehemalige Kloster wurde mehrfach umgebaut und wechselte die Besitzer bis es der spätere Großherzog Peter Friedrich Ludwig (da konnte sich wohl jemand nicht für einen Vornamen entscheiden) 1777 erwarb. Auch danach gab es Umbauten und Stiländerungen bis zum heutien Ergebnis. Das Schloss befindet sich heute noch in Familienbesitz und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Anders der ausgedehnte Schlosspark in englischem Stil mit großen Waldstücken und Teichen. Hier führen etliche Rad- und Spazierwege hindurch, die auch intensiv von Einheimischen wie Touristen genutzt werden. Auch wir schoben zunächst ein wenig unsere Räder, bis wir ein schattiges Plätzchen fanden und uns auf der Bank den leckeren Kuchen vom Bäcker (Erdbeerkuchen und Buttermilch-Mango-Kuchen) schmecken ließen.
Den Schlosspark verließen wir standesgemäß durch das Hirschportal und kamen wieder auf die Straßenroute. Abweichend von unserer ursprünglichen Planung folgten wir der sehr guten Radwegausschilderung nach Oldenburg. Nur einmal gab es eine Umleitung; der abgetrennte Radweg entlang der Landstraße war gesperrt, wie rechtzeitig vorher angekündigt, und auch die Umleitung war ausgeschildert. Wir schlängelten uns so weitestgehend über Nebenstraßen nach und durch Oldenburg, bis wir wieder auf unserer Route waren und so leicht den Weg zu unserem Hoel unweit des Bahnhofs fanden. Damit hatten wir uns eine gute Startposition für die morgige Abreise mit der Bahn geschaffen. Wir konnten unsere Räder auch schon sicher abstellen und unser Zimmer beziehen. Zeit für einen Stadrundgang!
Auf dem Weg zur Fußgängerzone und den wichtigsten historischen Gebäuden kamen wir am Hafen vorbei, wo wir uns beim Ols-Brauhaus mit Tisch am Hafenrand erst einmal ein „Nüchtern-0,00“-Bier als Einlaufbier gönnten. Dann erst einmal zum Wahrzeichen, dem mächtigen Ziegelturm Lappan, der 1467-68 an die bereits 1394 erbaute Heiliggeistkirche angebaut („angelappt“) wurde.
Von dort wechselten wir die Richtung und gingen über die Lange Straße zurück bis wir das Haus des Grafen Anton Günther erreichten, das ein großes Wandbild des Namensgebers zierte. Vorn prangte unter einem stilisierten Aushängschild mit dem Grafen zu Pferde der Schriftzug „Hans im Glück“, denn aus dem Grafenhaus war ein „Burgerhaus“ geworden.
Übrigens lief gerade eine Werbekampagne „Stadtgarten“. Dazu wurden überall in der Stadt kleine Garteninseln aufgebaut – auch in der Fußgängerzone, wo wir die Rieseninsekten antrafen. Vorbei an einigen netten Geschäften – vielfach auch mit dänischem oder skandinavischem Hintergrund, vielleicht auch wegen zeitweiligen dänischen Herrschaft über Oldenburg – erreichten wir das einzige vom großen Stadtbrand 1676 verschont gebliebene Fachwerkhaus, das Degodehaus aus dem Jahre 1617.
Vorbei am Alten Rathaus und an St. Lamberti kamen wir zum Schloss, das 1607-1615 im Renaissancestil gebaut wurde. Beeindruckend ist auch der wunderbare Schossgarten mit seinen Wasserläufen, alten Bäumen und unzähligen Blütenhecken. Auch hier genossen viele Einheimische wie Besucher die Ruhe oder auch nur ein Plätzchen auf der Wiese oder einer schattigen Bank. Es gibt auch Tretboote zum Verleih, auf denen man die Kanäle befahren kann. Angesichts unserer fast zweiwöchigen Hauptbeschäftigung verzichteten wir aber darauf.
Zurück aus dem Gartenparadies entschieden wir uns für den Ratskeller für unser Abendessen. Am Hafen nahmen wir dann noch ein letztes Ols bevor wir kurz den Bahnhof „auskundschafteten“ (Wo können wir morgen früh noch etwas Proviant für die Zugfahrt kaufen?) und auch den morgigen Weg vom Hotel zum Bahnhof erprobten.