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Aberdeen – Newcastle
Heute stand uns wieder das
Abenteuer Zugfahrt bevor. Vom Hotel Douglas bis zum Union Square und
dem Bahnhof waren es nur einige hundert Meter, und da der Verkehr auf
der Market Street sehr dicht war, schoben wir unsere Räder lieber
bequem die kurze Strecke.
Wir hatten noch reichlich
Zeit, zumal das Gleis für unseren Zug Richtung London über
Newcastle auch noch nicht angezeigt wurde. Als es dann soweit war,
mussten wir feststellen dass unserer Sitzplätze im Wagen G ganz am
Anfang und das Fahrrad- und Gepäckabteil am Ende des Zuges lagen.
Der freundliche Zugbegleiter nahm uns diesmal sogar die Räder ab, so
dass wir sie nicht selbst in die Fahrradaufhängung im Gepäckabteil
bugsieren mussten. Und wir konnten auch noch einige Taschen dalassen,
damit wir in Newcastle nicht so viel zu schleppen haben und schnell
zu unseren Fahrrädern kommen. Der Zug war gut ausgebucht und so
zerschlug sich unsere Hoffnung doch noch in der Nähe unserer Räder
einen Platz zu ergattern. Bei sonnigem Wetter bot die Zugfahrt wieder
spektakuläre Ausblicke, so dass wir uns ausgiebig von der
schottischen Küste verabschieden und ein mögliches Wiedersehen
planen konnten.Wir fuhren über die lange Eisenbahnbrücke in Dundee
und natürlich über die berühmte rote Forth Bridge bei Edinburgh.
Auf Höhe Berwick on Tweed passierten wir die schottisch-englische
Grenze und bald näherte sich Newcastle. Da der Zug dort nur einen
kurzen Aufenthalt hatte, schlängelten wir uns mit den restlichen
Fahrradtaschen bis zum Wagen B vor und mussten nun nicht über den
ganzen Bahnsteig rennen, um unsere Fahrräder zu holen. Unser schon
lange vor Urlaubsbeginn gebuchtes Hotel lag auf der Quayside am Fluss
Tyne unterhalb des Bahnhofs, so dass wir auch hier nur einen kurzen
Weg hatten. Wir konnten unsere Räder mitsamt dem für Newcastle
nicht benötigten Gepäck im Büro hinter der Rezeption deponieren,
machten uns kurz ein wenig „stadtfein“ und genossen den sonnigen
Nachmittag. Da wir keine Lust auf das recht überschaubare Newcasle
Castle hatten, entschlossen wir uns spontan zu einem Besuch der Laing
Art Gallery (Eintritt frei, Spenden erwünscht) und stießen auf eine
recht interessante Sonderausstellung mit Aquarellen aus der Zeit des
1. und 2. Weltkrieges und der Zwischenkriegszeit. Ein Teil zeigte
Werke von Künstlern, die als offizielle „Kriegskünstler“, also
eine Art Kriegsreporter, tätig waren und die Anstrengungen an der
„Home Front“ und auch Szenen aus dem Truppenalltag zeigten. Aber
auch inoffizielle Gesichter des Krieges wurden gezeigt. Ebenso
gezeigt wurden Werke der (linken) Artists International Association,
die sich dem Ziel verschrieben hatte, Kunst in das Leben der
einfachen Menschen zu bringen – über die sogenannten Everyman
Prints, die oft direkt von der Presse der Künstler stammten und
nicht über den elitären Kunsthandel, sondern in Kaufhäuser und
einfachen Läden zu erschwinglichen Preisen zu haben waren.
Die Laing-Galerie verfügt
über einen auserlesenen Fundus an englischer, vor allem
nordenglischer, Kunst mit Werken von Gainsborough, einigen
Prärafaeliten sowie des romantischen Malers John Martin, der aus
Northumberland stammt. Sein Gemälde „Die Zerstörung von Sodom und
Gomorrha“ ist in einer Nische mit eindrucksvollen Licht und
Geräuscheffekten ausgestellt und wirkt daher noch bedrohlicher.
Ralph Henley dagegen hat
seine Tyne-Region mit dem Leben der einfachen Leute wie
Segeltuchmacher und Bergarbeiter dargestellt.
Eindrucksvoll sind auch
die Stadtansichten von Newcastle von der mittelalterlichen Brücke
bis zum Bau der Stahlgerüst-Brücke über den Tyne. Eigentlich gab
es noch viel mehr zu sehen, wir hatten die Zeit bis zur Schließzeit
der Galerie gut ausgenutzt. Jetzt hätten wir nichts gegen einen
Kaffee und ein Stückchen Kuchen einzuwenden gehabt, aber an den
kleinen Tischchen in der Sonne vor den zahlreichen Lokalitäten in
der Innenstadt tranken die Leute nur Bier. So blieb uns nur ein
Plätzchen vor Prét à Manger, die auch Kaffee und etwas Kuchen im
Angebot haben. Ein Abstecher zu Waterstones war natürlich mit
Zuwachs für unsere Bibliothek verbunden. Dann ließen wir uns noch
ein wenig treiben, bevor wir ins Hotel zum Abendessen zurückkehrten.
Im dortigen Restaurant fand gerade ein Schulabschlussball statt und
so war an der Bar ordentlich Betrieb. Morgen erwartete uns nur eine
kurze Radetappe bis zum Fährhafen, so dass wir nicht zu früh los
mussten.